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Eine unsichtbare Spannung ist spürbar. An manchen Orten auch sichtbar. „Machst du am Samstag auf oder lässt Du den Laden zu?“ – diese Frage hört man seit Tagen schon die Kiez- und Szenegrößen rund um die Ohlauer Straße sich zuraunen. Der Waschsalon jedenfalls macht seit gestern Nägel mit Köpfen. Und sieht ganz schön artifarti aus: „Der Künstler Bernd Hagewald rüstet Kleingewerbebetriebe mit Spanplatten ein und verändert so das Gesicht ganzer Straßenzüge in Kreuzberg – und hält der Konsumgesellschaft den Spiegel vor.“ Genau. Der Künstler Bernd Hagewald. Das In-Lokal in der Hausnummer 31 wird sich der Gewalt von und auf der Straße keinesfalls beugen: Tapfer werden morgen Tische und Stühle herausgeholt und die Spiele des vorletzten Bundesliga-Spieltags live und in Farbe gezeigt. Alle Spiele, alle Tore im club49 – um 15:30 Uhr geht’s los. Ab kurz nach acht schalten wir die Glotze aus und gehen zum gemütlichen Teil über. „Flirtfaktor zehn“, wertet Bravo Girl . Heute Abend glühen wir dann schon mal vor: Tanz in den Mai mit Stalag und Weedman – No Sound like We . Checkt es aus. Handyfoto: Waschsalon, Ohlauer Straße © KvK, 2010
Fritz von Thurn und Taxis brachte es wie gewohnt auf den Punkt. Zum zweiten Halbfinale Barça gegen Inter gestern Abend hatte ich mich vorsorglich mit Finalgon-Tiefenwärmetherapie-Salbe eingerieben, und während mein Sky-Lieblingskommentator mit staunenden Kinderaugen in Superlativen ein mäßiges Spiel besang, brannte mir der Pelz, als hätte der Leibhaftige mich höchstpersönlich in die Finger bekommen. Heute Abend, nur zur Beruhigung, zeigt der Club keinen Fußball – da bleiben wir hart. Und werden wieder schon mal ein halbes Stündchen früher als gewohnt öffnen, denn der Frühling lugt draußen ums Eck und die Biergartensaison ist seit gestern eröffnet. Morgen dann tanzen wir mit Stalag und Weedman in den Mai. Letztes Jahr ist da übrigens abgeschleppt worden. Nicht im Club, sondern von der Polizei. War überall absolutes Halteverbot wegen der 1.-Mai-Demo...! Handyfoto: Feierabend – Señor Kröch geht nach Hause © KvK, 2010
Jetzt ist es amtlich: Die Tinte unter den Booking-Verträgen für den Tanz in den Mai ist trocken – Selector Stalag & Weedman werden den Club am Freitag zum Rauchen bringen – im wahrsten Sinne des Wortes. +++ Jetzt ist es raus: Die strahlende Nina, Wirtin des Soul Cat in der Reichenberger, fragte mich gestern, ob ich denn meinen neuen Nachbarn schon kennen gelernt hätte. Neben dem Club, dort wo das Hauptquartier der berüchtigten Monchichi-Bande vermutet wird und wo zur WM 2006 seinerzeit das Public Viewing erfunden wurde, dort, in der Ohlauer Straße 33, macht DJ Alberto oder so ähnlich demnächst einen Plattenladen auf, in dem man wohnen kann und wo es Parties gibt. +++ Jetzt ist es geschafft: Der FC Bayern steht im Finale der Champions League. Unsere Barfrauen kamen nach dem beeindruckenden 3:0 Auswärtssieg zu dem Schluss, international spiele Bayern ja nicht so die Rolle. Das kann man so sehen. +++ Jetzt ist es wieder so weit: Der neueste heiße Scheiß aus USA mit DJ Fuzzy Dunlop heute Abend. Direkt nach Barça gegen Internet Mailand. +++ Jetzt muss ich los: Die Bierfahrer kommen gleich.
Handyfoto: Mein Arbeitsplatz – Kampfplatz für den Frieden © KvK, 2010
In den Kommentaren zum letzten Post hier drunter ist bereits der intellektuelle Niedergang der Ohlauer Straße gefordert bzw. beschworen worden. Was vielleicht etwas übertrieben war, aber zugegeben: Mein Internet klemmte die vergangenen Tage hinten und vorne etwas und an allen Ecken und Enden – und so richtig was los gewesen war auch nicht, ehrlich gesagt. Der heutige Abend wird erst einmal den Freunden des gepflegten Leders gehören. Lyon gegen Bayern – die Abrechnung. Das dürfte spannend werden, es sei denn, man interessiert sich ausschließlich für Botho Strauß. Aber ab kurz nach elf stehen wir auch dessen Anhängern wieder zur Verfügung. Zuvorkommend und kompromisslos wie immer. Morgen dann DJ Fuzzy Dunlop an den Geräten – und zuvor bis halb elf Barça gegen Inter. Das Foto ist Michi gewidmet, die die sogenannte Arschkarte gezogen hat, heute Abend zum Fußballhorror hinter dem Tresen stehen zu müssen. So nämlich sieht der Feierabend im Club aus – und von dem wünsch ich ihr einen besonders schönen. Handyfoto: Feierabend im Club © KvK, 2010
Am Spreewaldplatz im Liegestuhl liegen war wie der vielbeschworene Tag am Meer gestern. Everyday is like Sunday, und man glaubte felsenfest, sich unbedingt einen Sonnenbrand holen zu wollen. Dann bog der Künstler D. um die Ecke und wir heckten was aus. Ein cooles Ausstellungsprojekt, und das ist auch gut so. Apropos Kunst: Valentino Valente, im Club eher für sein virtuoses Gitarrenspiel bekannt, dreht am 8. und 9. Mai in Berlin seinen Abschlussfilm und sucht noch Unterstützung in irgendeiner Form. Helfende Hände zum Beispiel. Eine der Hauptrollen ist unter anderem mit Birol Ünel besetzt, den man vielleicht noch aus "Gegen die Wand" kennt. Sollte jemand Lust und Zeit haben, da mit zu machen, sagt er einfach im Club Bescheid. Ich bin am 8. Mai ja gerade bei Hertha gegen Bayern im Olympiastadion, sonst wäre ich vielleicht bei den Standfotos eingesprungen. Handyfoto: Wiener Straße am Sonntag aus dem Liegestuhl heraus betrachtet © KvK, 2010
12 Uhr Mittags. Oder kurz danach. Ein junger Mann ohne Berührungsängste setzt sich Schenkel an Schenkel neben mich auf die Bank vorm Club, schreibt SMS und hört Kopfhörer. Und rotzt den Boden voll. Ich frage, warum er jetzt hier alles voll rotzt. Er meint, er rotzt doch nur da hin. Ich sage, das sei hier mein Laden und er wäre im übertragenen Sinne sozusagen bei mir zu Haus. Und Abends kämen hier Gäste, und das wäre dann nicht so schön, wenn da alles vollgerotzt sei. Er sagt: "Eysch, rotz' doch nur hier hin. Ist jetzt Mittag und heute Abend ist das wieder weg." Ich versuche, mit ihm über Umgangsformen zu reden. Er sagt, er hätte ja nicht gewusst, dass das mein Laden sei. Das hätte ich ihm sagen sollen. Er hätte mich einfach nur für irgendeinen Typen mit 'nem Laptop gehalten. Ich versuche, das Gespräch noch einmal in Richtung Umgangsformen zu lenken. Er sagt: "Sie diskutieren mir zu viel" – und geht. In diesem Augenblick kommt Nike auf dem Fahrrad ums Eck gebogen, sieht toll aus und schenkt mir eine Caribou-CD, die ich nicht kenne. Heute Abend spontan an den Plattenspielern: Laser-Girl. Handyfoto: Zimmerpflanze © KvK, 2008
Da ist sie ja: Die Grande Dame der analogen Fotografie – Kameratechnik made in BS. Lag fast ein ganzes Jahr lang bei Foto-Braune am Herrmannplatz, bis endlich das Geld für die Reparatur beisammen war. Schon Angst gehabt, die hätten sie vielleicht einfach verhökert – sind aber nicht so welche. Dann kann's ja wieder rund gehen. Heute Abend im Club DJ Burning Nerves und morgen die Expertenrunde am Nachmittag. Mit Kröch. Checkt es aus... Foto: Rolleiflex 6002 mit Sonnar © KvK, 2010
Schon wieder sitzt Nicolette Krebitz am Tisch in der Ecke. Ich hab das mal gegoogelt: Es ist überhaupt nicht Nicolette Krebitz – Nicolette Krebitz sieht komplett anders aus. Letzte Nacht im Club musste ich ziemlich in mich hinein kichern: Jemand hatte den pseudo-infantilen Kreuzberg-Aufkleber mit dem Schlagring mit einem neuen Kreuzberg-Aufkleber überklebt. Das Foto hier erinnert an das ursprüngliche Beggars-Banquet-Cover, das Decca Records sich damals nicht zu veröffentlichen traute. Nächste Woche ist Erster Mai und da muss man als Krawall-Kneipe Plastikbecher organisieren, weil es sonst eine Strafe vom Ordnungsamt gibt. Zum Tanz in den Mai nächsten Freitag spielen dann wohl Stalag und Weedman auf – wir stellten gestern fest, das sei ja nun schon Tradition. Morgen im Club: DJ Burning Nerves. Handyfoto: Beggars Banquet © KvK, 2010
Hatte mir gestern vorm Champions League Halbfinale noch Björn Bugri den eingeklemmten Rückennerv massiert, musste mir Anja, die Grande Dame der Morena, nun mit einem Streifen Hans@plast aushelfen: "Da haben Sie sich aber geschnitten", wie man als humorvoller Mensch hier wohl sagen könnte. Aber totz des Vulkans, meines penetrant schmerzenden Nackens und einem ins Laptop blutenden Zeigefinger: Pünktlich gegen halb acht heute Abend wird der Club seine Pforten öffnen und die Meute Bayern-oder-was-auch-immer-Fans einatmen, um sie drei, vier Stunden und einige Augustiner später wieder auf den Bürgersteig zu spucken. +++ Ist das Nicolette Krebitz dort am Tisch in der Ecke? Die find ich ja irgendwie gut. Im Radio sagte sie einmal, Cat Powers Stimme sei wie ein Schluck Glenmorangie. Seitdem war der im Club immer regelmäßig nachgefüllt worden. Muss mal wieder welchen kaufen. +++ Peer aus der Lausitzer drückte mir gestern die lang ersehnten und heiß begehrten Karten fürs Olympiastadion in die Hand. +++ Wer legt denn nun am Wochenende auf – und wer cremt mir den Rücken mit Kytta-Salbe ein?! Foto: the Cards from Peer © KvK, 2010
Während bei Facebook immer mehr Kupferstecher vermelden, sie hingen wegen des Vulkans in Venice Beach/Kalifornien fest oder halt auf den Kanaren, genießen wir in Berlin unseren geregelten Alltag. Diese Woche mit zwei Abenden Champions League. Da kommen wir leider nicht drum herum. Dafür aber versprach DJ Heidi immerhin, nie wieder völlig betrunkene St.-Pauli-Fans in den Club zu lotsen, die mir ins Treppenhaus pissen und gehütet werden müssen wie ein Sack voll Flöhe. Das musikalische Rahmenprogramm fürs Wochenende ist bislang noch offen, aber da werden wir schon noch was Duftes aus dem Hut zaubern. Handyfoto: Alltag im Heinz Minki © KvK, 2010
Porno-Cartoonist Ralph Meiling hatte neulich ein Kinderfoto von mir ausgegraben. "Damals wie heute", war sein spöttischer Kommentar dazu. Und am Nachbartisch im Morena hat sich gerade Phil Collins einen schwarzen Tee bestellt. Phil Collins oder Jack Lemmon – ich verwechsel die beiden immer irgendwie. Auf jeden Fall ein Franzose. Apropos: Morgen und Mittwoch ist wieder Champions League, da heißt es, bitte bis kurz vor elf einen großen Bogen um den Club zu machen. Wer möchte eigentlich die Expertenrunden-Schicht am 8. Mai für mich übernehmen: der DJ Kröch hat nämlich zwei Tickets für Hertha gegen Bayern München im Olympiastadion. Behauptet er jedenfalls. Foto: God is a DJ © Ralph Meiling, 2010