The Jackal / ... zwischen Knast und Kloster.

Hin und wieder denke ich an A.: An diesen leisen, feinen Menschen, der vor einer Weile eine Weile hinter schwedischen Gardinen saß. Der dieser Zeit dann später hinterher weinte, weil das Gefängnisleben ihm so sehr ans Herz gewachsen war. +++ Zwischen Knast und Kloster irgendwo liegt Kreischa. Man lebt in seinem Kosmos, kümmert sich um nichts. Die Seele baumelt. Mit dem ersten Sonnenstrahl am Morgen steht das Frühstück auf dem Tisch. Frische Brötchen, Kaffee, Marmelade. Und abends fällt man wie ein Stein ins Bett. +++ Wo steckt eigentlich Frau Geißler?! +++ Auf dem Behandlungsplan stand gestern "Schröpfen". War mir bisher nur von meinem Freund, dem Dicken, irgendwie bekannt. Der Dicke vom Ordnungsamt und seine ganzen Kumpels, die einen ständig ausnehmen möchten. "Schröpfen" hier ist etwas völlig anderes, Schröpfen hier ist super. +++ Freitag Abend im Club: DJ The Jackal. "Rare Grooves on Vinyl", das hört man gern! +++ Hardy neulich meinte, der Club liefe anscheinend auch ohne mich, hätte sich auf eine Art emanzipiert. Mit einem lachenden, mit einem weinenden Auge nimmt man sowas hin: Wie Eltern, deren Kind sich langsam abnabelt von zu Haus. Kleine Fische werden groß, wie Heimberg5000 so schön sagt: ... und dann schwimmen sie davon. +++ Sonst hier nüscht Neues. Mein Therapie-Programm geht in die Knochen. Ich weiß, ich werde es vermissen...!

Flyer: The Jackal © Dom Pacini, 2011

Teplice / Zwei Supernasen tanken bleifrei.





Wie im Film: Die alte Berliner Gastrolegende Hardy S. hatte am Sonntag einen Spontanstopp in Kreischa eingelegt, und so fuhren wir durch die sagenhaft schöne Sächsische Schweiz und kamen uns vor wie in einer Kulisse. Dahinter allerdings war alles recht öde. Glashütte zum Beispiel wirbt mit dem Slogan: "Hier lebt die Zeit", und man fragt sich beim Durchfahren, ob die Zeit denn das einzige ist, was hier lebt. Erinnerte schwer an den piefigen Westharz in meiner Kindheit und Jugend. +++ In Altenberg/Erzgebirge, Austragungsort der Rodel-WM 2012, wurde uns dann das immerhin (Hardy) "schlechteste Essen seit Jahren" serviert. +++ Das Gute an Altenberg ist die unmittelbare Grenze zu Tschetschenien, und so führte die Straße uns direkt bis nach Teplice, einem uralten Kurbad, wie ich später gegoogelt habe. Wo sich Goethe einst gar mal mit Beethoven traf. Der Putz alter Zeiten bröckelt, aber die Menschen hier scheinen am Leben. +++ In Altenberg hatte Hardy noch einmal bis zum Rand voll getankt. Ich wollte nichts sagen, aber auch ihm fiel dann auf, dass hinter der Grenze der Sprit günstiger war. +++ Merkwürdiges Phänomen auch hier wieder einmal: Auf der Rückfahrt gen Dresden sogen wir schweigend die tschetschenische Landschaft ein, die dann schon fünfzig Meter hinter der Grenze abrupt wieder bieder und langweilig war: Wie machen die das? +++ In Kreischa endete der Tag mit einer Einkehr im Gasthaus Lehmann, wo der ungarische Stammkellner übrigens nicht nur der Stammkellner ist, sondern seit über dreißig Jahren auch schon der Chef. Das Essen ist rustikal und versöhnlich, und so stießen wir mit bleifreiem Hefe auf einen Sonntag voll spannender Abenteuer an. +++ P.S.: Hardy feiert am Donnerstag Abend, 21. Juli, seinen Geburtstag im Nansen: Vierzig Jahre Stapelmoor! Wer sich jetzt angesprochen fühlt, der komme vorbei, soll ich euch ausrichten!

Foto: Teplice, Bahnhof © KvK, 2011
Foto: Altenberg, Tankstelle © KvK, 2011
Foto: Teplice, Bahnhof © KvK, 2011
Foto: Teplice, Straße © KvK, 2011
Foto: Erzgebirge, Wasserfall (den wir nicht fanden) © KvK, 2011

Pusteblume / 3. Plätze sind was für Männer.




































































Die beiden Mars-Riegel, die sich die sympathische Jungärztin zwischen 78. Minute und Abpfiff als Nervennahrung gestern hinein mümmelte, halfen am Ende wenig. Im Gegensatz zu dem euphorischen ZDF-Kommentator hatte ich (ab Mitte der ersten Halbzeit) allerdings auch keine "überlegene deutsche Mannschaft" gesehen, sondern ein ziemlich planloses, überhastetes Spiel mit einer erstaunlichen Quote an Fehlpässen. Das Spiel unserer Mädels wurde erst gut, als das Wasser schon bedenklich den Hals empor stieg. +++ Viel mehr als das Ausscheiden der Frolleins allerdings beschäftigt mich gerade das nachlassende Interesse seitens der Frau mit der fettigen Frisur. Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?! +++ Ohne gültiges Reisedokument gestern in Dresden gewesen: Prager Straße, auf DDR-Postkarten der Kosmonautentraum visionärer Nachkriegsarchitektur. +++ Auffallendstes Phänomen am Ausflug nach Dresden: verschiedene Gruppen gröhlender Junggesellen, die T-Shirts trugen mit Aufschriften, wie, nun sei alles vorbei, oder so. Wer heiratet denn so welche?! +++ Ebenfalls sehr stark vertreten: Waslawskanische Männer, die ihren Frauen günstige Fuck-me-Pömps kauften. Plus: Japaner, Chinesen und Asiaten – einer sehr stolz mit dem Shirt Oktoberfest München. +++ Der Uhu mailte ein Bild aus Berlin: Direkt nach dem 0:1 hängende Köpfe im club49! Alles beim Alten, also. +++ Schwejki-Boys Beispiel folgend, habe auch ich mir nun Badelatschen gekauft. Meine sogar mit der Oberflächenstruktur der historischen Fassade des Centrum Warenhauses. Neben dem galaktischen Pusteblumenbrunnen (Foto) und dem Rundkino von '72 blieb zumindest ein Teil dieser wabenförmigen Außenhaut der Nachwelt erhalten. Die Badelatschen sind toll. +++ Mit dem Ausscheiden der deutschen Elfen (!) geht damit wohl auch im Club ein weiteres Sommermärchen langsam dem Ende entgegen. Ich frage vorsichtshalber aber noch einmal nach. +++ Hat jeder Fußballverein denn neuerdings seine eigene Fan-Tankstelle wie Dynamo Dresden hier auf dem Foto? +++ Eigentlich wollte ich heute früh in den Gottesdienst. Die Dorfkirche in Kreischa gefällt mir sehr gut. Für 9:30 Uhr leider nicht gut genug.

Foto: Centrum Warenhaus (innen) © KvK, 2011
Foto: McDonald's © KvK, 2011
Foto: Asiaten © KvK, 2011
Foto: Dynamo-Dresden-Tankstelle © KvK, 2011
Foto: Hauptbahnhof © KvK, 2011
Foto: Junggesellen © KvK, 2011
Foto: Urlaubsträume © KvK, 2011
Foto: Pusteblume © KvK, 2011

Wochenende / Stimmt so.


Schwejk ist ein Meister des floskellosen Telefonats. Ein belauschtes Gespräch Anfang der Woche, morgens um sechs: Schwejk nimmt das Telefon, wählt, wartet und sagt ansatzlos: "Bring 'ne Lupe mit!" (...), "Ja," (...), "ja," (...), "hm," (...), "ja," (...), "hm," (...), "gut," (...), "tschüss." +++ Gestern: Auf dem Display entdeckt Schwejk einen entgangenen Anruf, ruft sofort zu Hause in Merseburg an, kommt direkt auf den Punkt: "Wer hat angerufen?!" (...), "Hm," (...), "ja", (...), "ja", (...), "noch eine Woche verlängert", (...), "ja", (...), "weiß auch nicht, warum", (...), "ja", (...), "gut", (...), "tschüss." +++ Nach dem Abendbrot gestern zu Fuß bis nach Dresden. Stadtrand von Dresden, besser gesagt. Auf der Suche nach bleifreiem Hefe im Landhaus Lockwitz gestrandet, einem gehobenem Restaurant auf dem Hof einer Gerüstbaufirma. Einen Stehbierausschank erwartet und Blicke geerntet. Föhnfrisurmänner mit ihren Mädchen mustern mich skeptisch: Zerfranste Adidas-Sporthose und Blutdruckgerät an Bauch und Oberarm. Dresscode in Lockwitz: Oberhemd rot/weiß gestreift oder Flieder kariert (klein). Ärmel 1/1 oder wahlweise halblang; gerne legère zur gebügelten Designer-Jeanshose. +++ Am Ende mach ich's dann doch wieder wie Hemingway, kurz bevor er sich in den Kopf schießt. Trinke mein bleifreies Hefe, lege den Fünfer hin und nuschle betont desinteressiert: "Stimmt so."

Foto: Autobahn über Lockwitzgrund © KvK, 2011
Foto: Gombsen/Sachsen © KvK, 2011

Hattu Möhrchen / Muttu auch essen.


Von einem heftigen Gewitter letzte Nacht berichtet der brave Soldat Schwejg heute früh, soweit ich das richtig verstanden habe. Davon bekam Schlafes Bruder nichts mit. +++ Kreischa kommt aus den Schlagzeilen nicht raus: Erst die Ente im Pool, nun Substanzen im Blut der nordkoreanischen Kommi-Fußballerinas: "Es handelt sich dabei um körpereigene Steroide, die von außen zugeführt worden sind", sagte Detlef Thieme, Leiter des Wada-Labors in Kreischa. +++ Sagt Spiegel-Online. +++ Eine weitere, nicht unwesentliche Sensation aus dem idyllischen Kreischa liegt bereits auf dem Nachtschrank von Zimmer 4318 (Foto): Das fertige Manuskript, das unser Freund Kröch unter Pseudonym und Einnahme legaler Substanzen und alkoholfreiem Stolitschnaja nach zwei Wochen endlich vollendet hat: Knapp 900 Seiten, die Schwejki-Boy schon mal quergelesen hat. Er meinte, nicht übel, der Stuff (nur die Romantik käme zu kurz). +++ Optikerinnen-Termin gerade gehabt. Es läuft auf ein Schiel-Eisen hinaus, wie Designer Brill sagen würde. Nomen est Omen. +++ "Das letzte Wort hat aber Frau Doktor", hieß es. Frau Doktor am 17. Juli. +++ Mein Horoskop liest sich laut Dresdner Morgenpost heute wie folgt: "Sü höm eine güde Bersbeckdüvö für die naö Zugünft. Die Liebesblannöhdn strahln hell un wern auch Ühn die Zeit vasüsn." +++ Klingt zscheckwitzoutmäßig, irgendwie. +++ Morgen Abend die Frolleins gegen Japan. Im Club. Zscheckt den Scheiß aus! +++ P.S.: Was ist aus der P38 geworden, die ich zum Wochenende gern hätte? Kümmert sich einer drum?

Foto: Manuskript © KvK, 2011
Foto: Dorfkirche, Kreischa © KvK, 2011

Der brave Soldat Schwejk / Muttertag.





Besuch aus Dresden. Johanna den ganzen Berg hoch mit Kinderwagen. Schöner Spaziergang mit Shopping im Elektrohaus Oertel, einem charmanten Hybrid aus Haushaltsgeräte und Teeladen: Hundert Gramm Schokolade für 7,81 € – handgeschöpfte 70% aus einer Manufaktur in Erfurt (für die Mäzenatin in Biesdorf). Die interessante Preisgestaltung nicht weiter vertieft. +++ Zum Abschluss noch Einkehr bei Lehmann. Gasthaus Lehmann am Haußmannplatz, Kreischa. Erfrischendes Hefe aus Erding: Bleifrei, wie unser Stammkellner aus Ungarn mehrfach betonte. +++ Später am Abend, als Mister Njet, unser Bademeister, den Pool längst unbeaufsichtigt zurück gelassen hatte, wagte sich eine fröhliche Entenfamilie für Schwimmübungen hinein. Da alle anderen gestern beim Bingo-Abend in der Caféteria mitfieberten, war unser Freund, der DJK, zum Glück ganz allein in seiner Verzückung: "Süüüüüß!" +++ Während sich dann über die Klinik ein Regenbogen spannte, lag unser braver Soldat Schwejk (Franki Frankenstein) bereits selig im Bett und schlief wie ein Kind: "Plötzlich bin ich wieder der kleine Junge / ganz spitz auf Lakritz / Für den eine Expedition zum nächsten Block / weit wie 'ne Reise nach China ist" (Da war so viel los / Udo "Udo" Lindenberg) +++ P.S.: Süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!









Foto: Seepferdchen © KvK, 2011
Foto: Johanna und Anton © KvK, 2011
Foto: Rainbow Country © KvK, 2011
Foto: Ente mit Kind © KvK, 2011
Foto: der brave Soldat Schwejk © KvK, 2011

Schlafes Bruder / Heißer Feger.




Nanü?! Wer steht denn da heute im Swimmingpool?! +++ Nun, gut: Nachdem unser Freund, der DJ Kröch, gestern in Kreischa um kurz nach neun schon in ganzheitlichen Tiefschlaf gefallen war, ließen "unsere Mädels" (BILD Dresden) gegen die kleinen Französinnen anscheinend ein Feuerwerk abbrennen. Das bedeutet dann auch, dass wir am Samstag (?!) den Viertelfinal-Thriller Mädels gegen Japanerinnen live übertragen. Oder nicht? +++ Gestern Abend beim Spiel Kanada gegen Nigeria: "Strompanne in Dresden – Plötzlich ging das Licht aus!" (BILD Dresden). T.d.A. at its best – Zscheckwitzout, sozusagen. +++ BILD Dresden verlost übrigens Karten für das Brasilien-Spiel am Sonntag in Dresden! Frage: Wer ist der große Star bei den Brasilianerinnen? a) Marta b) Birgit Prinz +++ (Anreise im Preis nicht enthalten.) +++ P.S.: Das ist gar nicht der Swimmingpool...!










Foto: Gestern Abend: die Sonne bricht durch © KvK, 2011
Foto: Morgens um sieben: Sommer vorm Balkon © KvK, 2011
Foto: Springbrunnen: ?! © KvK, 2011
Foto: Speisesaal: "Mahlzeit!" © KvK, 2011

Jungfern-Abschied / Zieh dir die Tanzkönigin rein.



















Warum bloß hatte ich wieder nicht zugehört, alle Warnungen in den Wind geschlagen? Ich denke, ich hatte geglaubt, Mamma Mia! sei einfach nur eine Hollywood-Komödie, mit Abba-Songs unterlegt. Was ja okay gewesen wäre. Und auf jeden Fall besser, als mir schon wieder Frankensteins Schnarchen anhören zu müssen. Dann allerdings entpuppte das Ganze sich als müde verfilmtes Musical, in dem die Darsteller überflüssige Abba-Cover singen oder hysterisch herum kreischen. +++ Die englischen Songs waren deutsch untertitelt. Im Chorus von Dancing Queen unter anderem mit: "Zieh dir die Tanzkönigin rein!" +++ Wie die kreischenden Tanten im Film, feiert auch unsere Heidi nun Jungfern-Abschied – morgen Abend im Club. Bitte lasst mir den Laden heil – und Finger weg vom Schnaps und den Lampen! +++ Nachdem ich den kompletten Film schon nicht richtig verstanden hatte, passierte zum Schluss etwas vollkommen Sinnloses: Als alle Darsteller zum Finale gerade Waterloo sangen, ging der Filmvorführer nach vorne und drehte die Anlage voll auf: Was wollte er damit bezwecken? Dass alle im Saal aufspringen und Disco-Fox tanzen? +++ Natürlich ging just in dem Augenblick, als ich mich darüber beölen musste, das Licht an – und alle Leute beim Rausgehen dachten, ich lache mich über diesen total doofen Film tot. +++ Peinlich. +++ Immerhin ist fast nichts so dermaßen scheiße auf dieser Welt, als dass es nicht auch etwas Gutes hätte – und so hatte ich beim Song Slipping through my Fingers, den ich bis dato nicht kannte, eine Art spontaner Erleuchtung. +++ "Love is like a grain of sand / slowly slipping through your hand" (Oh, Diane / Fleetwood Mac). +++ P.S.: "Ray Bennett schrieb in der Zeitschrift The Hollywood Reporter vom 29. Juni 2008, der Film sei von allen Filmen jenes Sommers – oder von allen vergangenen Sommern – der amüsanteste. Streep sei „sensationell gut“ – es sei keine Übertreibung, an einen Oscar zu denken und sie mit früheren weiblichen Preisträgern wie Liza Minnelli, Barbara Streisand und Catherine Zeta-Jones zu vergleichen." (Quelle: Google/Wikipedia)

Fotos: morgen 30°C © KvK, 2011

The Happy Mondays / Halt dich an deiner Liebe fest.








Wortwechsel zwischen zwei älteren Rollstuhlfahrern eben am Lift: "Könn' Sie mir mal helfen?" – "Nee." +++ Montag, endlich wieder normaler Betrieb: Wenn man es zwischen Blutabnahme um 7:15 Uhr und Rückenschule um acht gerade mal schafft, schnell noch ein Brötchen zum Kaffee zu schlingen. Wenn man sich freut, zwischen Ergometer und Schwimmen ein halbes Stündchen für Frau Geißler abzwacken zu können. Wenn man in kein dunkles Loch fällt, weil Frau Geißler Montags ja frei hat. +++ Für nächstes Wochenende hätte ich gern eine Walther P38. Offizierskaliber, rein prophylaktisch: Wenn man Sonntag früh um halb sieben schon wach ist, der Regen wie Blei über dem Tal hängt, Sekunden wie Stunden vergehen und man frustriert This is for Lovers-Videos schaut. Mit Peter "Pete" Doherty ausgerechnet – und Grüßen an Schnuto Schnutowitsch nach Berlin. Und wenn, von Klaus Frankenstein einmal abgesehen, "niemand da ist, der bei dir pennt": Da wird die Idee einer GT-freien Welt plötzlich zum apokalyptischen Alptraum! +++ Heute Abend Mamma Mia!, wo ich gedacht hatte, das sei ein Film über Abba. Oder "die Abba", wie mancher früher auch sagte. Aber es ist gar kein Film über die Abba. Eintritt dafür immerhin frei. +++ Aus Schwermut gestern in Frankensteins Sachen gekramt: Relativ sicher gewesen, er hätte am Russlandfeldzug teilgenommen. Doch Frankenstein ist kaum älter als Kröchi himself: geboren am 9.9.49 +++ Naja. +++ Aus Schwermut beinahe auch Rätsel leicht für 1,80€ gekauft. Mit 33% mehr Inhalt. +++ Zu allem Übel fiel auch noch der Tatort aus, da Frankenstein immer um acht schon im Bett liegt und mein Kopfhörerkabel zu kurz ist. Bei einer Bilddiagonalen von 12cm aber auch fast schon egal. +++ Einziger Lichtblick: die CD von DJ Nike, die sie mir extra für Kreischa aufgenommen hatte. Dafür wurde ihr – auf dem Oktagon der Kunstakademie, wenn ich nicht irre –, in Dresden ein Denkmal errichtet. +++ P.S.: Es regnet. Und Frankenstein fragt, was für ein Wetter ich denn wieder bestellt hab: Tscheckwitzout!

Foto: Nike, Dresden © KvK, 2011
Foto: Il pleure dans mon Coeur © KvK, 2011
Foto: Speisesaal (Vorraum), Selbstporträt © KvK, 2011
Foto: Straße nach Zscheckwitzout © KvK, 2011

Kurschatten / Jakob der Lügner.

Wochenende. Die Frau mit der fettigen Frisur hat sich die Haare gewaschen. Sie sitzt diagonal an Tisch 1 hinten im Speisesaal und schaut mich an. Morgens, mittags, abends, jeden Tag. Sie mag Ende sechzig sein und fährt einen Traum in Mintgrün, einen Rollator. +++ Ein Gerücht macht die Runde, breitet sich aus: Der Russe stehe kurz vor der Elbe, oder besser gesagt, am Mittwoch sollen es dreißig Grad werden. +++ Frankenstein scherzte heut' früh: "Was hast dud'n für'n Wetter bestellt?!" +++ Die Überschrift gestern: Irgendwer hatte gefragt, wie's denn mit Alkohol und Zigaretten so aussieht bei mir. Die Antwort wäre gewesen: Ich gehe gestählt aus der Sache hier raus. Psychisch wie physisch! +++ So ein Wochenende im Sanatorium ist trostlos: Die Therapie macht Pause, das Wetter ist scheiße, und alle haben Besuch: Selbst Frankenstein sitzt mit Schwester und Schwager vergnügt in der Caféteria und schleckt genüsslich ein Mövenpick-Eis. +++ Das wäre ein schöner Abend für 17 Gin Tonic gewesen. Stattdessen lag ich mit 35,5°C im Bett und trank Salbeitee. +++ Frau Geißler gestern hatte auf meine Portion Waschpulver gedeutet und meinte, das sei welches für Buntwäsche. Das für Weißes stünde daneben: "Aber das ist Ihnen sicher egal...?!" +++ Mahlzeit! sagt man übrigens ausschließlich beim Mittagessen: Zum Frühstück reicht ein gegrummeltes Morgen – und abends halt n'Abend. +++ Wo neulich noch Sonne war, ist jetzt nichts als Regen. +++ P.S.: Hat jemand Lust, mit mir ins Kino zu gehen? Im Kultursaal morgen läuft Mamma Mia! mit Merrill Striep.

Foto: I can't stand the Rain ('gainst my Window) © KvK, 2011






In Stahlgewittern / Lost in Paradies.





Als Bumerang des schlechten Gewissens kamen gestern die Tierfiguren zurück: Seit Tagen beobachte ich hier einen jungen Spanier, der im Profil eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Winson Winsone aufweist. Er muss einen Unfall gehabt haben, scheint teilweise gelähmt. Oft sitzt er mit seiner Freundin am Tisch und beschäftigt sich stundenlang und geduldig mit seinem Tuschmalkasten. Dann fühle ich mich schlecht wegen solch überheblicher Gags. +++ Zurück zu den ungebürsteten Tanten vom Donnerstag Abend (Dresden by Night): Also, a) waren die natürlich so laut, dass man ihrer bornierten Provinzdämlichkeit unmöglich entgehen konnte. b) redeten sie die ganze Zeit durcheinander und bestätigten sich permanent gegenseitig in ihrer unreflektierten Beschränktheit. Erst auf der Rückfahrt, als ich fast lüstern an ihren Lippen hing und wie ein Schwamm ihre atemberaubende Selbstgefälligkeit aufsaugen konnte, gelang es mir, mundartliche Differenzen festzunageln: Die mit den hängenden Mundwinkeln #1 war tatsächlich aus (DJ Heidi, jetzt müssen wir alle sehr tapfer sein): Bamberg in Oberfranken! Die mit dem Pfannkuchengesicht und der Sandale ordne ich eher dem Norden zu. Südlich von Hamburg vielleicht. Für Hamburg selbst wäre ihre gemietete Eigentumswohnung einfach zu günstig (460 € warm für 57qm, Reihenhaus mit Vorgarten). Buchholz/Nordheide vielleicht oder Geesthacht. Irgendsowas. Mundwinkel #2: Uschi-Glas-Sprachfärbung allerreinster Güte: Irgendwo von der Isar. c) konnte ich ihre lingualen Eigenheiten natürlich nur aus der Erinnerung niederschreiben, weshalb Fränkisch dann auch schnell mal ins Badische oder Hessische abdriften musste. Für Inhalt und alles andere bürge ich d) aber mit meinem Namen! +++ Poverty is picturesque, dachte ich beim Spaziergang an einem lauschigen Abend not long ago. Paradiesartige Landschaft, relativ ursprünglich. Dezente Infrastruktur. Und dennoch: An manchem Gartenzaun hängen Transparente und fordern "die Straße". Man fühle sich ignoriert. Von denen da oben, nehme ich an. Der hiesige Wutbürger will ebenso breite Straßen, wie sie die anderen überall sonst schließlich auch haben. Für seine gefühlten vier Autos pro Stunde. +++ Geht mich ja nichts an. +++ Frage an Radio Eriwan: Wie sagt der Sachse, wenn er in Zscheckwitz am Ortausgang steht? Antwort: "Im Prinzip: Zscheckwitzout!" +++ P.S.: Was mir nun langsam, aber doch ziemlich sicher, gepflegt auf die Hutschnur geht, ist dieses ewige "Mahlzeit!" hier...

Foto: 4 Autos die Stunde (Polo aus Märkisch-Oderland) © KvK, 2011
Foto: Weizenfeld © KvK, 2011
Foto: The martians could land in the carpark and no one would care © KvK, 2011

Foto: Goodbye Yellow Brick Road where the Dogs of Society howl © KvK, 2011
Foto: Zscheckwitzout © KvK, 2011


Nightboat to Cairo / Die Lümmel aus der letzten Bank.







Gestern war dann mal wieder das Internet kaputt. Was an der globalen Blogmafia lag und nicht etwa am Tal d. A. +++ Sternstunden der Reha gingen unwiederbringlich verloren: Tierfiguren aus Ton selbst anmalen (mit Frau Hartwig), zum Beispiel. Der abendliche Spaziergang nach Zscheckwitz, der endorphinhaltig war. Und auch old braver Soldat Schwejk, genannt Franki Frankenstein: Wächst mir langsam ans Herz. +++ Nun denn. +++ Gestern Bustour Dresden bei Nacht (18:00 - 21:30 Uhr). Solche Gelegenheit sollte man nutzen, denn ohne Sondergenehmigung darf man hier gar nicht nach Dresden. Als Patient jedenfalls nicht. +++ Dresden bei Nacht. Bevor sich der Reisebus in Bewegung setzt, steigt ein Trio ungevögelter Verwaltungsangestellter aus Niederbayern zu und drängt sich direkt hinter mich in die letzte Bank. Typ hängender Mundwinkel. Bevor wir Kreischa überhaupt verlassen haben, finden sie schon komplett alles scheiße. In Dresden dann ein Aufschrei der Empörung: "Des is ja Osten hier! Gaaans dibbisch, des erkennisch sofort! Da hat hat sich ja gaaaaa nix verännert!" Und dass in den Häusern überhaupt jemand wohnt: "Also, isch gönnt da drinne net lebbe, egal, wie schön die Wohnunge auch sein möge!" (Irritierender Dialektmix aus Fränkisch und Uschi Glas). "Dass mia noch eingehre, des stand aber net im Programm!" +++ (Frechheit!) +++ Als wir am Ende tatsächlich noch einkehren, bezahlt die mit der Sandale ihr Mineralwasser mit einem Zehner. Das Wechselgeld nimmt sie Münze für Münze einzeln in die Hand, guckt prüfend und legt es dann vorsichtig ins Portemonnaie. Trinkgeld gibt's keins, weil eh alles scheiße. +++ Danach brauchte ich Stunden, um mich vom Trio Infernale zu erholen. Gegen halb eins erst schlief ich dann ein. +++ P.S.: Tierfiguren aus Ton wird alternativ auch von Frau Brux angeboten. Tscheckwitzout!

Foto: Gottfried Semper © KvK, 2011
Foto: Theaterplatz © KvK, 2011
Foto: Sandale der Dicken aus der letzten Bank © KvK, 2011
Foto: Brühlsche Terrassen © KvK, 2011
Foto: Reha-Reisegruppe © KvK, 2011
 
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